Im Universum sind fünf Jahre nicht einmal ein Wimpernschlag. Im Pop-Geschäft ist es eine halbe Ewigkeit. Im November wird es fünf Jahre her sein, dass das hoffnungsvolle Bielefelder Duo Girlwoman sein Debütalbum „Das große Ganze“ veröffentlicht hat. Songs wie „Prisma“ oder „Rote Riesen schlafen nicht“ waren club- wie radiokompatibel, und das Duo stand auf der Schwelle ins große Popgeschäft. Dann kam ganz plötzlich die Corona-Pandemie und bremste sie aus, bevor sich auch schon die nächste Katastrophe anbahnte: der Krieg in der Ukraine, der vor allem für Sängerin Axana Exner eine enorme emotionale Belastung war und immer noch ist.
Auch die Beziehung mit ihrem langjährigen musikalischen und künstlerischen Partner Rasmus ist über diese schweren Jahre in die Brüche gegangen. Auch wenn die beiden dieses Album trotz all der emotionalen Herausforderungen noch gemeinsam fertig produziert haben, ist Girlwoman nun zu Axana Exners Solo-Projekt geworden. So erzählt sie uns auf dem am Freitag, dem 13. November 2026, erscheinenden, langersehnten Nachfolgealbum „Wo ich war“ von den Geschehnissen der letzten fünf Jahre. Es sind dunkle, autofiktionale Geschichten – verarbeitet zu eindringlichen Pop-Songs.
Wen wundert es da, dass „Wo ich war“ im Sound viel rockiger und düsterer geraten ist als das Debüt: „Da, wo die Geschichten herkommen, die in den Songs erzählt werden, ist es dunkel. Aber nur da, wo es dunkel ist, kann man das Licht als etwas Besonderes wahrnehmen. Klingt vielleicht pathetisch, aber so ereignet es sich gerade in meinem Leben, und für jeden Lichtblick bin ich unendlich dankbar“, erklärt Axana den Schaffensprozess.
Geschrieben und produziert haben Axana und Rasmus die Tracks noch gemeinsam; beim finalen Mix hat diesmal Olaf O.P.A.L. geholfen, der mit Acts von The Notwist bis JULI schon sehr viel Licht und Schatten im Popgeschäft begleitet hat. Die Rockelemente sind ganz selbstverständlich in den großen Pop-Entwurf eingewoben.
Und während die Songs auf „Das große Ganze“ noch komplett in deutscher Sprache vorgetragen wurden, gibt es auf „Wo ich war“ erstmals auch englischsprachige Lyrics – und mit „Brutal Lover“ sogar einen Song, der zum Teil in russischer Sprache gesungen ist: „Das Stück ist im Grunde genommen ein Liebeslied. Es beschreibt das größte und vielleicht auch schmerzhafteste Paradoxon der Liebe. Es handelt davon, dass man oft die Menschen am meisten verletzt, die man am meisten liebt.“
Das Album-Cover der Künstlerin Aisha Naomi Stief zeigt das Cockpit eines ramponierten Autos: einwuchernde Pflanzen in einem Haufen Schrott. Und wie es eben nur in der Kunst geschieht, entsteht aus so viel Hässlichkeit etwas Wunderschönes. Genau das hat das Bild mit den neuen Liedern von Girlwoman gemein: Es sind Songs, die Hoffnung machen und Lust darauf, sich den künftigen Abenteuern des Lebens gestärkt zu stellen. So ist „Wo ich war“ ganz sicher auch eine Coming-of-Age-Platte – aber eben keine, die sich irgendwelche mittelalten Herren in Songwriter-Camps ausgedacht haben. Ihre erste Single „Tunnelblick“ ist bereits erschienen. Axana Exner wird 2027 mit einer neu formierten Liveband auf die Bretter zurückkehren, die für sie immer noch die Welt bedeuten. Ja, es geht weiter. Und endlich scheint wieder Licht auf Girlwoman hinab!
Oder um es abschließend mit Leonard Cohen zu sagen: „There is a crack in everything, that’s how the light gets in.“
06.03.2027
Bunker Ulmenwall
Einlass: 19:00 Uhr

